Bepflanzte Oldtimer in Innsbruck
© Felix Strohbach

Die Welt nach den Autos


Kraftstoff, Reparaturen und Versicherungen haben ihren Preis. Nach über einem Jahrhundert wollte das kein Mensch mehr für ein Auto bezahlen, stattdessen genießen heute alle mehr Freizeit und bessere Luft.

So könnte die Welt nach den Autos aussehen:

Die Veränderung kam schleichend. Erst war es nur der Fahrrad-Freitag, an dem kleinere Fahrrad-Kolonnen die Straßen der Städte einnahmen und die Autos verdrängten. Mehr und mehr Menschen wollten ein Teil der fröhlichen Fahrrad-Bewegung werden und schlossen sich ihr an. Bald waren es drei Fahrrad-Tage pro Woche.

Eine Fahrrad-Kolonne auf der Hauptstraße
Die Critical Mass findet in Innsbruck jeden letzten Freitag im Monat statt. © Felix Strohbach

„Den Wunsch nach individueller Mobilität wird es immer geben.“, davon war und ist der ehemalige Auto-Designer Murat Günak überzeugt. Autos hatten für ihn trotzdem und vor allem in der Stadt nie eine langfristige Zukunft. Als die Transformation schon zu spüren war, sagte er in einem Interview zu dem Redakteur eines Auto-Magazins:

„Ein mögliches Szenario könnte sein, dass es wie bei den Pferden abläuft. Das Pferd war das Transportmittel für alles, bis das Auto kam. Heute ist das Auto das Transportmittel für alles, aber Pferde gibt es immer noch. Es gibt Turniere für Pferde und die Menschen verbringen ihre Freizeit mit ihnen. So könnte auch die Zukunft des Automobils aussehen.“

Heute ist Murat Günak Mitgründer eines Berliner Start-up-Unternehmens (ONO Motion) und entwickelt ein Pedelec, das den FahrerInnen Schutz vor Wind und Wetter bieten soll. Alle Menschen mit systemrelevanten Berufen können damit auch bei starkem Regen Essen ausliefern oder hilfsbedürftige Menschen versorgen. Alle anderen bleiben entspannt zu Hause und warten, bis der Regen nachgelassen hat. (Auch interessant: Halb Auto, halb Fahrrad: Acht Velomobile mit Elektromotor)

Pferde und Drahtesel

Auch Pferde spielen heute wieder eine größere Rolle in der Fortbewegung der Menschen. Als inspirierendes Vorbild für diese Entwicklung diente die Insel Hélène, die der französische Schriftsteller Alexandre Jardin 2009 in der Tasmanischen See entdeckt hatte.

„Bei einer der letzten Volksabstimmungen hatte man berechtigterweise gegen das Automobil gestimmt. Die Frauen hatten befunden, daß ein Mann zu Pferde attraktiver und begehrenswerter sei als einer, der hinter dem Lenkrad eines Motorvehikels kauere.“
(S. 89 Alexandre Jardin, 2014).

Dieses Argument hatte das Ergebnis erheblich beeinflusst. Frauen wie Männern kamen zu dem Entschluss, dass jeder Mensch auf dem Pferd oder dem Drahtesel attraktiver wirke.

Palmen und weißer Strand
Die HelenerInnen haben Autos von ihrer Insel verbannt. © Felix Strohbach

Die Insel Hélène

Auf dieser besonderen Insel hatten sich die Menschen schon seit einem Jahrhundert von den Zwängen einer immer wachsenden Marktwirtschaft befreit. Die Mehrheit der über 50.000 Einwohner (Volkszählung 1994) sind bis heute LinkshänderInnen. „Die Linkshänder weigerten sich, einen Großteil ihrer Zeit der Arbeit zu opfern, statt ihn den Liebeskünsten zu widmen.“ (S. 89, Alexandre Jardin, 2014). Der Wohlstand der Hélènischen Bevölkerung wird deshalb am Index der erotischen Zufriedenheit gemessen, den das Statistische Amt der Linkshänder alle paar Jahre erfasst.

Das Bruttoinlandsprodukt spielt auf der Insel Hélène keine Rolle. „Der Akt des Kaufens bereitete den Linkshändern nur ein mäßiges Vergnügen, gleichsam gemindert durch den Liebesrausch, in dem sie schwelgten.“ (S.90, Alexandre Jardin, 2014) Alles was die HélènerInnen von der Schönheit der Realität ablenkt, empfinden sie als schädlich oder wie es Alexandre Jardin beschreibt: „Sie wollten jeden Rausch kennenlernen, den das Herz und die Haut auskosten können, jeden! Im Vergleich dazu schien der Konsumrausch geradezu fad.“ (S.90, Alexandre Jardin, 2014).

Bepflanzte Oldtimer in Innsbruck
Blühender Benz: Hier werden Autos als urbane Gärten genutzt. © Felix Strohbach

Freizeit und frische Luft

Die hohen Kauf- und Unterhaltskosten für Automobile hätten die HélènerInnen dazu gezwungen, ihr angenehmes Leben aufzugeben, deshalb beschlossen sie in der Volksabstimmung 1922 ein Verbot der Einfuhr von Verbrennungsmotoren. Bis heute wurde diese Entscheidung niemals infrage gestellt. „Sie würden sich niemals der Zivilisation der Verbrennungsmotoren anschließen, jener heimtückischen Erfindung, die durch Abgase die kleine Welt der Helener zerspringen lassen würde.“ (S. 316, Alexandre Jardin, 2014) Auch auf den Brijuni-Inseln in Kroatien gibt es keine Autos mit Verbrennungsmotoren, sondern nur Fahrräder und kleine E-Fahrzeuge. (Mehr dazu im Beitrag Fahrspaß mit 25 km/h.)

Vom Lebensstil der HélènerInnen sind die Menschen in Europa zwar noch etwas entfernt, aber die Transformation hat begonnen. Die Fahrradwege werden verbessert und laufen nicht mehr zwischen den Gleisen der Straßenbahn. Autos verschwinden zunehmend aus den Städten und werden höchstens noch als urbane Gärten und komfortable Sitzgelegenheiten weiter genutzt. Nur auf dem Land scheint das Auto noch unverzichtbar.

Bepflanzte Oldtimer in Innsbruck
Pflanzen statt Scheinwerfer: So könnten Autos auch genutzt werden. © Felix Strohbach

Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine fiktive Zukunftsvision, die sich aus mehreren realen Projekten und Ausschnitten eines Romans zusammensetzt.

Der Roman: Die Insel der Linkshänder von Alexandre Jardin. Bitte kauft es nicht auf Amazon, sondern beim kleinen Buchhandel um die Ecke.

Die Critical Mass findet in Innsbruck immer am letzten Freitag jeden Monats statt. Mehr dazu auf der Facebook-Seite.

Mehr zu den blühenden Autos findet ihr auf der Seite der Initiatoren: Kostnix Laden Innsbruck.

Bepflanzte Oldtimer in Innsbruck
Heute wachsen Kräuter im Kofferraum. © Felix Strohbach
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