Autor Felix Strohbach interviewt Christina Wiegers von der NGO Healthy Seas
© Dennis Gedaschke / Hyundai

Elektroautos und recycelte Fischernetze

Seit Elektroautos den Fahrzeugmarkt aufmischen, spielt Recycling eine immer größere Rolle. Nicht nur bei den Akkus. Ich war mit Hyundai an der kroatischen Küste und in Slowenien unterwegs und habe gesehen, wie aus weggeworfenen Fischernetzen und anderem Plastikmüll nagelneue Fußmatten werden.

Von Fischernetzen zu Fußmatten in Elektroautos

Wie seelenlose Kleider wabern sie durch unsere Weltmeere. Für Delfine, Schildkröten und andere Meerestiere werden sie oft zum tödlichen Verhängnis. Zurückgelassene Fischernetze, sogenannte Geisternetze, sind eine Bedrohung für die sensiblen Ökosysteme unter Wasser. Aus diesem Grund bergen freiwillige Tauchtrupps der Organisation Ghost Diving die Netze aus Korallenriffen und Schiffswracks. Anschließend werden sie verantwortungsvoll entsorgt oder im besten Fall sogar recycelt. Zum Beispiel kann daraus der Nylongarn ECONYL® gesponnen werden, der sich für die Herstellung von Fußmatten eignet. Doch bis dahin muss einiges passieren. Alles beginnt unter Wasser.

Tauchender Unterwasser an einem Schiffswrack
Fischernetze verfangen sich häufig in Schiffswracks oder Korallenriffen. © Derk Remmers / Ghost Diving Germany

Zwei NGOs, eine Mission

Sieben Taucher und eine Taucherin schnallen sich ihre Sauerstoffflaschen auf den Rücken und watscheln zum seitlichen Rand des Bootes. Einer nach dem anderen springt ins tiefe Blau. Zurück bleiben Luftblasen an der Oberfläche. Für alle anderen Beteiligten heißt es jetzt abwarten und Wasser trinken aus Pappbechern. Mehr Details und Hintergründe zu dieser Geschichte erfahrt ihr im Podcast Voltage auf Spotify. Dort erzähle ich von meinen Erfahrungen vor Ort.

Organisiert und finanziert werden die Tauchgänge von der Organisation Healty Seas. Die NGO übernimmt die Planung und die Kosten für die Tauchenden und kümmert sich anschließend um Recycling und Entsorgung des geborgenen Materials. Außerdem leistet sie Aufklärungsarbeit zum Thema Plastikmüll, denn die Ursache all dieser Probleme ist der industrielle Fischfang und unser Konsum, der ihn finanziert. Unterstützt wird die NGO dabei zum Beispiel vom Autohersteller Hyundai, der die recycelten Fußmatten in seine Elektroautos legt. Aber auch jeder und jede einzelne von uns kann Healthy Seas mit Spenden unterstützen.

Felix Strohbach auf dem Boot mit den Tauchenden von Ghost Diving
Für die Tauchenden ist das Bergen von zurückgelassenen Fischernetzen eine Möglichkeit ihr Hobby für einen guten Zweck zu nutzen. © Dennis Gedaschke / Hyundai

Nächster Schritt: Recycling

2021 haben die beiden Organisationen über 188 Tonnen Material geborgen. Um das Recycling kümmert sich dann das Unternehmen Aquafil. In der Niederlassung nahe Ljubljana Slowenien wird alles gesammelt und die unterschiedlichen Materialien so gut es geht voneinander getrennt. Die insgesamt 50 Mitarbeitenden recyceln hier nicht nur alte Fischernetze, sondern zum Beispiel auch Abfälle aus der Textilindustrie und Teppiche.

Nach der Sortierung wird alles zerhäckselt und eingeschmolzen. Mit verschiedenen Verfahren werden dann auch die unterschiedlichen Nylon-Arten voneinander getrennt. Dabei gewinnt das Unternehmen „Nylon 6“ zurück, das dann zu einem Garn mit dem Namen ECONYL® verarbeitet wird. Insgesamt recycelt und regeneriert Aquafil etwa 120.000 Tonnen Nylon jedes Jahr, etwa 42 Prozent davon werden zu ECONYL®. Daraus können dann Sonnenbrillen, Badekleidung, Rucksäcke und auch Fußmatten gefertigt werden.

Die komplette Geschichte inklusive Interviews und weiteren Bildern gibt’s im Printmagazin arrive. Hier geht es direkt zum Abo! oder zum ePaper.

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