Blaues Klapprad zwischen parkenden Autos
© Felix Strohbach

Plötzliche Verkehrswende

Berlin, Brüssel und Bogotá haben in Zeiten von Corona etwas gemeinsam: In allen drei Städten haben FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen plötzlich mehr Platz bekommen. In den Städten hat eine globale Verkehrswende begonnen.

Nach den Pop-Up Nachrichten auf dem Smartphone und den Pop-Up Stores in der Fußgängerzone kommen jetzt die Pop-Up-Bike-Lanes. Die temporären Radwege sollen das Infektionsrisiko in den überfüllten Bussen und Straßenbahnen weltweit entschärfen.

Blaues Klapprad auf leerem Parkplatz
Mehr Platz fürs Fahrrad. © Felix Strohbach

Weltweite Auswirkungen

In Bogotá (der Hauptstadt von Kolumbien) hat die Bürgermeisterin während der Pandemie zusätzlich 117 Kilometer Radwege einrichten lassen. Dafür wurde zum Teil eine von sechs Auto-Spuren in einen Fahrradweg umgewandelt. (Quelle: tagesschau.de )

In Brüssel wurde ein Tempolimit von 20 km/h eingeführt und RadfahrerInnen und FußgängerInnen sollen auf allen Straßen Vorrang haben. Außerdem sind 40 Kilometer neuer Radweg geplant. In drei Monaten soll das neue Verkehrskonzept bewertet und neu darüber entschieden werden. (Quelle: tagesschau.de )

In Berlin sind bereits über 10 Kilometer Pop-up-Radwege entstanden und weitere sind in Planung. Letzte Woche wurde in über 30 deutschen Städten für zusätzliche Fahrradwege demonstriert. Es scheint, als könnte die Corona-Pandemie die Verkehrswende in den Städten beschleunigen. (Quelle: tagesschau.de )

Blaues Klapprad in einer Tiefgarage
Mehr Platz für Fahrräder. © Felix Strohbach

Temporär oder dauerhaft?

Schlechte Luft, Straßenlärm und die Verkehrssicherheit wären längst gute Gründe für mehr Radwege gewesen. Trotzdem braucht es eine noch spürbarere Krise wie Corona, um neue Radwege zumindest temporär umzusetzen. Plötzlich reichen ein paar rot-weiße Pylone und Straßenmarkierungen aus, um Innenstädte fahrradfreundlicher zu machen.

Wie lange FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen den neu gewonnen Platz einnehmen dürfen ist unklar. Erst wenn das Infektionsrisiko keine Rolle mehr spielt, wird sich zeigen, ob die Pandemie die Verkehrswende tatsächlich begünstigt hat. Immerhin erwarten Experten einen 20-prozentigen Rückgang bei den Berufspendlern, weil viele das Homeoffice neu für sich entdeckt haben. (tagesschau.de )

Slogan: #mehrplatzfürsrad

Diese Vereine setzen sich dafür ein, dass die Verkehrswende auch ohne Corona weiterläuft:

Mit der bundesweiten Kampagne #MehrPlatzFürsRad macht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. auf die Platzdebatte auf der Straße aufmerksam und zeigt mit Demonstrationen und Straßenaktionen, wie dieser Platz fürs Fahrrad genutzt werden kann. Mehr dazu.

Der Verein Changing Cities hat eine Petition initiiert, die bundesweit schnelle Maßnahmen zu ansteckungsfreier Mobilität fordert, unter anderem mehr Platz für Rad- und Fußverkehr. Zur Petition.

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Felix J. Strohbach

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