E-Cabrio von Mini in voller Fahrt
© Bernhard Filser / Mini

Endlich ein Mini E-Cabrio!

Wer nach einem E-Cabrio sucht, hat nicht viel Auswahl. Jetzt bereichert eine limitierte Cabrio-Version des Mini Cooper SE den brachliegenden Markt, zumindest ein bisschen.

Sonne im Gesicht und Pinienduft in der Nase. Bei keiner Fahrzeugart bekommt man so viel von der Umgebung mit wie in einem offenen Cabriolet. Man spürt den Fahrtwind an den Ohren, fühlt die Wärme der Sonnenstrahlen auf den Wangen und riecht die Pinien am Straßenrand. Der Elektrische Antrieb intensiviert dieses Erlebnis. Keine Abgase übertünchen den natürlichen Duft, kein dröhnendes Motorgeräusch stört das Zirpen der Grillen oder das Rauschen des Meers. Leider verschwinden Cabrios zunehmend vom Fahrzeugmarkt. Vielleicht kann die Elektromobilität diesen Trend wieder umkehren. Bei einer Probefahrt mit dem vollelektrischen Mini Cooper Cabrio auf Mallorca habe ich Hoffnung geschöpft.

Fahrer sitzt am Steuer des Mini E-Cabrio
Bis Tempo 30 kann man das Dach des Mini Cooper E-Cabrio elektrisch öffnen und schließen. © Bernhard Filser / Mini

E-Cabrio als Insel-Lösung

Von Palma geht es hoch ins Bergland. Über die Passstraße am Coll de Soller und dann weiter in Richtung des Bergdorfs Deià. Die Straßen sind rau, steil, eng und kurvig. Für den Mini ein Kinderspiel. Sein zweieinhalb Meter Radstand und die kompakten Außenmaße lassen Raum für entgegenkommende Kleinlaster, streunende Ziegen und Überholvorgänge vorbei an Rennradkolonnen. Die 135 Kilowatt (184 PS) Motorleistung ermöglichen dank der etwa 1,5 Tonnen Leergewicht eine satte Beschleunigung in allen Situationen. Laut Datenblatt braucht der elektrische Cabrio-Mini unspektakuläre 8,2 Sekunden um die Hundert zu knacken, aber auf den Landstraßen Mallorcas gilt sowieso entweder Tempo 70 oder 90. Auch im Sportmodus kann man das Fahrpedal maximal durchdrücken, ohne sofort die örtlichen Tempolimits skandalös zu überschreiten oder die Anwohner durch einen brüllenden Motor zu stören. Und das ist nicht der einzige Vorteil des elektrischen Antriebs

Das Mini E-Cabrio von der Seite hinter einem Rennrad
Auf Mallorca teilt man sich die Straßen mit Rennrädern und Kleinlastern. Dank der kompakten Außenmaße des Mini ist das kein Problem. © Bernhard Filser / Mini

Vorteile des Elektro-Antriebs

Der Akku im Unterboden gibt dem Cabrio die nötige Steifigkeit und einen tiefen Schwerpunkt für ein leicht kontrollierbares Handling. Alles fühlt sich stimmig an und für eine Insel wie Mallorca spielt auch die begrenzte Reichweite von knapp 200 Kilometern keine Rolle. Nach über zwei Stunden berauschendem Kurvenvergnügen, ist es Zeit für eine neue Schicht Sonnencreme und einen Schluck Wasser. Der Akku hat noch mehr als 50 Prozent. Bergab konnte der Mini durch die Rekuperation sogar ein paar Prozent zurückholen. Normalerweise fühle ich mich nach zwei Stunden Autofahrt über kurvige Bergpässe wie eine ausgepresste Zitrone. Nach der Ausfahrt im E-Cabrio bin ich dagegen in Urlaubsstimmung. Ich habe die Landschaft dieser Insel nicht nur gesehen, sondern am eigenen Körper gespürt. Ich habe Sonne getankt und bin mit allen Sinnen auf Mallorca angekommen. Leider gibt es kaum elektrische Fahrzeuge, mit denen dieser Sinnesrausch heute möglich ist. Beim klassischen Mini Cooper SE gibt es zumindest ein Schiebedach (Mehr dazu: Kein Auto für die Stadt)

Mann mit Hut bindet sich die Schuhe am Heck des E-Cabrio
Die Kofferraumluke klappt nach unten auf. Perfekt zum Schuhe binden. © Bernhard Filser / Mini

Mehr E-Cabrios bitte!

„Die SUV-Form frisst alle Konkurrenten“, schrieb der Stern 2020. Bevor die Elektromobilität in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen hat, waren die Cabrios auf dem Rückzug. Das Bedürfnis nach Abschottung, Stauraum und Sicherheit hat den Drang nach Leichtigkeit, Lebensgefühl und Fahrfreude verdrängt. Für die Hersteller rentieren sich Cabrios aufgrund der schrumpfenden Nachfrage immer weniger. Hoffentlich kann der elektrische Antrieb wieder Schwung in diesen Nischenmarkt bringen. Wären wir schon immer alle in Cabrios unterwegs gewesen, hätten wir die Auswirkungen des Verbrennungsmotors früher und direkter gespürt. Die schlechte Luft, den Lärm und das immer extremer werdende Wetter. Die Abschottung von der Umwelt hat es erst möglich gemacht die Konsequenzen unseres Verhaltens zu ignorieren. Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen. In anderen Worten: Wollen wir wirklich, dass die SUV-Form alle anderen Fahrzeugarten frisst?

Fahrendes Mini E-Cabrio von der Seite
Hoffentlich bald mehr davon: E-Cabrios sind bisher eine Seltenheit. Auch der Mini ist auf 999 Stück limitiert. © Bernhard Filser / Mini

Daten: Mini Cooper E-Cabrio

Antrieb: Front
Maximale Leistung: 135 Kilowatt (184 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beste Beschleunigung 0 – 100: 8,2 Sekunden
Leergewicht: 1.500 Kilogramm
Aerodynamik: cw-Wert > 0,30
Stromverbrauch (WLTP): 17,2 kWh/100 Kilometer
Maximale Reichweite (WLTP): 201 Kilometer
Akkukapazität: 32,6 Kilowattstunden
Beste Ladezeit (10 – 80 Prozent): 30 Minuten
Preis: 60.000 Euro

Fahrendes Mini E-Cabrio in einer Kurve
Kurvige Bergstraßen und Sonnenschein: Perfekte Bedingungen für eine Probefahrt im Mini Cooper SE Cabrio. © Bernhard Filser / Mini

Mehr zum Thema E-Cabrio

Das war nur ein Textauszug. Den kompletten Beitrag inklusive aktueller Übersicht aller E-Cabrios auf dem Markt findet ihr in der arrive-Ausgabe 04 2023. Zum kostenlosen Probeabo!

Außerdem haben wir diese Themen im Heft:

  • Grenzenlose Reichweite: Im Mercedes-Benz EQS von München bis nach Mailand
  • Stille Sportfreunde: Warum der Bassist der Band jetzt E-Auto fährt
  • Elektrischer Wasserspaß: BMW baut jetzt Elektro-Boote
cover der arrive-Ausgabe 04 2023
Die arrive Ausgabe 04 2023 mit dem Titelthema "Elektrische Cabrios: Endlich Sonne tanken!"
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