Zwei Solar Velomobile aus der Vogelperspektive
© Felix Strohbach

Sonntagsfahrt mit dem Solar Velomobil

Im Schatten sitzen und gemütlich in die Pedale treten. Im Solar Velomobil ist man vor der Sonne geschützt und sammelt gleichzeitig Reichweiten-Kilometer. Das vierrädrige Pedilio ist ein elektrisches Liegefahrrad mit Wetterschutz und gleichzeitig ein kompaktes Solarmobil. Es könnte eine Alternative zum Auto oder anderen Elektro Velomobilen wie dem Twike oder Podbike sein.

Ein leichter Wind streicht um meine Waden, als ich meine Fußsohlen auf die Pedale stelle. Mit beiden Händen habe ich den Lenkbügel im Griff. Er führt direkt unter dem ergonomischen Stoffsitz hindurch. Wenn ich lenke, ragen meine Ellenbogen seitlich aus dem Schatten des Solardachs heraus. Die Sonne steht senkrecht und der Schatten des Velomobils hat sich vollständig unter dem Fahrzeug verkrochen.

Das Solar velomobil Pedilio in rot
Seitlich ist das Velomobil offen, vor Sonne und Regen schützt das Dach und die Windschutzscheibe. © Felix Strohbach

Radweg oder Straße

Zum Anfahren trete ich zweimal kräftig in die Pedale, bis ein Ruck durch die Kette geht. Der Elektromotor beginnt zu surren und auf einen Schlag tritt es sich leichter. Das kleine Display unter dem Dach zeigt schon bald 25 km/h. In den Seitenspiegeln kann ich beobachten, wie sich Thomas Viebach in seinem eierschalenfarbenen Solar Velomobil nähert. Kaum hat er aufgeholt, surrt er an mir vorbei. Sein Pedilio ist als S-Pedelec auf maximal 45 km/h zugelassen. Ich sitze in der roten Pedelec-Variante und stagniere bei 25 km/h. Dafür darf ich auf dem Fahrradweg fahren und werde nicht von Autos überholt. (Auch interessant: Fahrspaß mit 25 km/h)

Display und Seitenspiegel unter dem Solardach
Neben dem Display kann man zwischen drei Fahrstufen wählen, mit mehr oder weniger elektrischer Unterstützung. © Felix Strohbach

Solar Velomobil aus Handarbeit

Die beiden Prototypen des Pedilio sind für Gründer Thomas Viebach erst der Anfang. Bisher wird jedes Fahrzeug in Handarbeit in seiner Werkstatt zusammengebaut. Die Rahmen der Velomobile sind aus pulverbeschichtetem Stahlrohr und werden in Italien gefertigt. Die Verkleidung besteht aus PET und Carbon Faser. Wer momentan ein Pedilio kaufen möchte, kann den gesamten Fertigungsprozess miterleben und wird gleichzeitig Teil der Testserie. (Mit manchen Velomobilen kann man sogar in den Urlaub fahren: Reisen mit dem Twike)

Halbfertiges Velomobil in der Werkstatt
In der Werkstatt von Thomas Viebach werden bisher alle Pedilios zusammengebaut. © Felix Strohbach

Das Beste aus allen Welten

Mit dem Pedilio kombiniert Thomas Viebach Elemente aus unterschiedlichen Disziplinen. Pedale wie ein Fahrrad. Eine Sitzposition wie in einem Auto. Die Lenkung eines Liegerads. Den Wirkungsgrad eines Elektromotors und die Unabhängigkeit eines Solarmobils. Als Energiequellen nutzt er etwas, das es fast überall gibt: Muskelkraft und Sonne. Über das 100-Watt-Solarmodul auf dem Dach wird der Akku auch während der Fahrt geladen. So sind insgesamt sind etwa 60 Kilometer möglich. Mit einem zweiten Akku kommt das Pedilio doppelt so weit.

Hinten unter dem Stoffüberzug ist Platz für eine Bierkiste oder den Wocheneinkauf. © Felix Strohbach

Unabhängigkeit, soweit die Sonne reicht

Je nach Wetter werden durch die Sonne 15 bis 30 Kilometer pro Tag nachgeladen. Wer täglich weniger Kilometer zurücklegt, muss nie mehr an die Steckdose. Während unserer Ausfahrt über die Radwege rund um Waidhofen scheint die Sonne durchgängig und der Akkustand bleibt konstant bei 100 Prozent. (Auch interessant: Solarstrom selbst erzeugen) Das Solar Velomobil wirkt rundum durchdacht. Nur an Kleinigkeiten merkt man, dass es noch ein Prototyp ist. Der Elektromotor schaltet sich sehr abrupt und mit etwas Verzögerung dazu und in scharfen Kurven schleifen die Vorderräder an den Kotflügeln. Der Tretlagerantrieb ist vergleichsweise laut, dafür gibt es eine Sieben-Gang-Schaltung. So sind auch längere Steigungen problemlos machbar. Die S-Pedelec-Variante gibt es auch mit einem leiseren Nabenmotor.

Thomas Viebach und Autor Felix Strohbach nebeneinander in den Velomobilen
Pedilio-Gründer Thomas Viebach beschäftigt sich schon lange mit Solarmobilität und hofft, dass wir in Zukunft mehr Fahrzeuge mit Solarmodulen sehen werden. © Felix Strohbach

Wir strampeln bergauf und rollen bergab. Vorbei an grünen Wiesen, Windrädern und Solarparks. Thomas Viebach erzählt mir, dass er sich seit den 80er-Jahren mit der Solarmobilität beschäftigt und in den 90er-Jahren hat er mit einem Freund an der World Solar Challenge in Australien teilgenommen. Das hat ihn nachhaltig geprägt: „Obwohl wir mit unseren bescheidenen technischen Möglichkeiten weit hinter den Sieger Teams lagen, war es ein unvergessliches Erlebnis für mich, sich ausschließlich mit der Kraft der Sonne über mehrere Tausend Kilometer quer durch den australischen Kontinent zu bewegen.“

Wir brauchen mehr Solar Velomobile

Velomobile mit Elektromotor wie das Pedilio sind bisher selten. Die wenigen Hersteller wie Podbike oder Citkar sind für Thomas Viebach keine Konkurrenz. Nicht weil diese Fahrzeuge nicht gut wären, sondern weil es ihm insgesamt zu wenige Hersteller sind, die Velomobile mit Elektromotoren bauen. Denn für ihn ist klar, wir brauchen mehr von den kleinen und effizienten Fahrzeugen: „Elektroautos sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber ein Schritt zu wenig.“ (Mehr dazu: Acht Velomobile mit Elektromotor)

Momentan wird auch der elektrische Fahrzeugmarkt von großen und schweren Fahrzeugen dominiert. Mit Solarzellen arbeitet bisher kaum ein Hersteller. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Solarmobile, die bald in Serie produziert werden könnten. Zum Beispiel von Aptera Motors, Lightyear oder Sono Motors.

Das rote Pedilio darf auf den Radweg und wird bis maximal 25 km/h elektrisch unterstützt, das Eierschalenfarbene ist auf 45 km/h zugelassen. © Felix Strohbach

Solar Velomobil für den Alltag

Mit dem Pedilio nutzt Thomas Viebach das bewährteste und umweltfreundlichste Fahrzeug dieser Welt, das Fahrrad, und rüstet es mit einer kostenlosen und unerschöpflichen Energiequelle aus: der Sonne. Neben Energie liefert das Dach gemeinsam mit der Windschutzscheibe auch Schutz vor Regen und Schnee. Damit eignet sich das Pedilio für weit mehr als eine Sonntagsfahrt und in Sachen Effizienz und Unabhängigkeit ist es den meisten Fahrzeugen mehr als einen Tritt voraus.

Interesse am Pedilio? Für Preise und Probefahrten könnt Ihr mit Thomas Viebach persönlich Kontakt aufnehmen: info@pedilio.de. Allgemeine Informationen gibt es hier: pedilio.de.

Disclaimer: Thomas Viebach hat sich an einem Sonntag für mich Zeit genommen und mir die Prototypen gezeigt. Er hatte keinen Einfluss auf diesen Beitrag. Alle Fotos sind selbstgemacht.

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