Schirme am Mittelmeer
© Felix Strohbach

Urlaub ohne Flieger

Fliegen ist schlecht, das hört man mittlerweile überall. Nur, Hand aufs Herz: Wozu leben wir auf der Welt, wenn wir sie uns nicht ansehen! Nicht immer werden wir selbst oder unsere Mitreisenden zufrieden sein, wenn wir den hart erarbeiteten Jahresurlaub an der mecklenburgischen Seenplatte verbringen wollen.

Es folgen eine Handvoll Anregungen für einen ganz normalen Urlaub: Zwei Wochen Zeit, niedriges Budget, möglicherweise sogar mit Kindern. Und das im Ausland, aber ohne Flieger.

1. In einem halben Tag ans Mittelmeer

Von wegen, Zugreisen seien unmöglich lang und überteuer! Wer rechtzeitig bucht, bekommt günstige Tickets und trinkt am Tagesende schon einen Espresso auf der Piazza. Eine spontane Suche mit einem alternativen Reiseportal* zeigt: Von Leipzig gehts für gerade mal 45 Euro in die italienische Studentenstadt Bologna. Reisezeit: Zehn Stunden und 30 Minuten. Wenn wir also um kurz vor zehn Uhr morgens losfahren, sind wir schon um acht Uhr abends da.

Fuß am Mittelmeer
Mit den Füßen im Sand aufs hellblaue Meer schauen. Das geht ohne Probleme auch ohne Flugzeug. © Felix Strohbach

Mit dem Flieger wären wir zwar in vier Stunden dort, dafür müssen wir aber auch erst an einen Flughafen außerhalb der Stadt fahren, dort lange warten, uns inspizieren lassen und am Zielort noch mal vom Flughafen in die Stadt. Die Nettozeit beim Flug liegt immer noch einmal ein bis zwei Stunden höher. In diesem Fall sind es beim Flug netto immerhin sieben und auf der Schiene zehn Stunden.

Im Zug kommen wir direkt im Stadtzentrum an und wir könnten dann direkt weiter nach Rimini. Nur wäre das viel zu schade, bloß damit wir später einmal sagen können, dass wir die Reise in einem halben Tag geschafft haben. Stattdessen gehen wir eine Pizza essen und schlafen im Anschluss eine Nacht lang unseren Rotwein aus. Am nächsten Morgen stehen wir vormittags auf, trinken einen guten Espresso und erreichen in etwas weniger als einer Stunde mit dem Zug den Strand von Rimini. Direkt am Mittelmeer.

Die Queen lässt grüßen. Auf nach London! © Felix Strohbach

2. Reservier uns schon mal einen Platz im Pub heute Abend

Es geht nach London! Die Weltstadt ist bekannt für ihre kostenfreien Museen, visionären Theater und legendären Pubs. Außerdem beherbergt sie einige der besten Clubs Europas. Wenn wir etwas Ruhe brauchen, können wir im Umland süße Kleinstädte wie Stratford-upon-Avon entdecken oder ans Meer, um eine paar ultrafettige Fish & Chips zu genießen. Auch die britische Insel selbst erreichen wir ohne Flieger, schließlich führt ein Tunnel vom französischen Calais zum britischen Dover. Die Reise nach London schaffen wir mit dem Zug von Leipzig in zehn Stunden ab 70 Euro.

3. Nordische Meeresluft im Handumdrehen

Mit Kindern in den Urlaub, das heißt: Anfahrtswege möglichst kurzhalten. Gefühlt wird schon beim ersten Abbiegen gefragt, »Wann sind wir endlich da?« Dem entgegenzuwirken fällt einem Menschen mit kluger Reiseplanung leicht. Wohl kein Reiseziel im nahen Ausland ist so süß und familientauglich wie Dänemark.

Wie wäre es mit einem Spaziergang durch die Dünen in Dänemark? © Felix Strohbach

Dort mieten wir uns eins von diesen kuscheligen Ferienhäusern am Meer und alle sind happy. Mit dem Bus sind es von Leipzig aus elf Stunden und 28 Euro pro Kopf nach Kopenhagen, von dort kommen wir innerhalb einer halben Stunde weiter in die Provinz. Trick für die Kinder: Früh losfahren und Kamillentee verabreichen, ein natürliches Schlafmittel. (Auch interessant: Übernacht von den Bergen ans Meer

4. Surfin‘ EU in nur einem Tag

Wollen wir unsere Instagram-Community mal wieder mit richtig geilen Surfbildern füttern? Schade, dass Bali ausscheidet, denn ohne Flug ist das dann doch etwas zu heftig. Frankreichs Westküste liegt direkt am Atlantik und schlägt derart heftige Wellen, dass unser Neoprenanzug allein beim Anblick nass werden wird. Und, richtig: Anreisen geht viel schneller und günstiger als nach Bali. Außerdem haben wir die ganze Zeit LTE und fahren durch Paris. Lass uns die Reise doch einfach mit einem Zwischenstopp bei Croissant und Macarons abfedern! Mit dem Bus von Leipzig nach Paris, dann über Rennes weiter nach Brest in insgesamt 24 Stunden ab 70 Euro.

Brechende Wellen
Diese europäischen Wellen laden zum Surfen ein. © Felix Strohbach

5. Erholen in Polen

Am Morgen um zehn am Leipziger Bahnhof einsteigen und schon um 16 Uhr und gerade einmal 35 Euro ärmer wieder aussteigen: In Posen, einer unterschätzen Stadt in einem ohnehin schon gnadenlos unterbewerteten Reiseland. Erstmal Pierogi (Teigtaschen) essen gehen und später in einer Bar landen, in der Bier und Schnaps nur einen Euro kosten. Dort interpretieren wir an der Karaoke-Station so lange Modern Talking-Songs, bis wir rausfliegen.

Am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück ins Nationalmuseum und dort sattsehen, anschließend an den Maltasee (mitten in der Stadt) und dort nach ein paar Pommes baden gehen. Am Abend erkundigen wir das Jeżyce-Viertel und sehen uns ein bisschen Kunst an oder trinken einfach noch ein paar Vodka.

Disclaimer: Die Preise und Zeitangaben stammen von Reiseportalen wie omio.com, rome2rio.com oder auch international-bahn.de

Zum Autor: Richard Kaufmann beschäftigt sich schon lange mit klimaschonendem Reisen. In seinem neuen Buch Landreisen erzählt er, wie er einmal unabsichtlich und ohne Geld nach Marokko gereist ist. Vom Reisen ohne Flugzeug ist er überzeugt: „Die schönsten Orte finden wir auf dem Landweg. Wir verpassen sie sonst nur, wenn wir über sie hinwegfliegen.“

Sein Buch könnt Ihr hier vorbestellen: startnext.com

Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on telegram
Share on whatsapp
Geparktes Auto vor einer Wand mit Fliesen
Im Alltag

Schwerelose Mobilität 1/10: Privates Carsharing

Weniger Schaden am Ökosystem Erde und mehr Freiheit für uns. Schwerelose Mobilität soll gleichzeitig die Umwelt und den Geldbeutel entlasten, zum Beispiel durch privates Carsharing.

Das elektrische Mofa von Urban Drivestyle vor einer Wand mit Graffiti
Im Alltag

Das elektrische Mofa aus Berlin

Motorradscheinwerfer und Fahrradklingel. UNI MK Classic Export heißt das elektrische Mofa aus Berlin. Es sieht aus wie ein Motorrad und fährt sich wie ein Pedelec. Auf der gepolsterten Sitzbank beginnt für mich eine Fahrt zwischen den Fahrzeugklassen.

Der Stecker der Solaranlage
Im Alltag

Solarstrom selbst erzeugen

Mit einer Solaranlage kann jetzt jeder und jede erneuerbaren Strom produzieren, ohne die die Zahlung von Gewerbe- oder Umsatzsteuer. Petra Daisenberger hat sich deshalb gemeinsam mit ihrem Lebenspartner eine Solaranlage in den Garten gestellt. Aufstellen, anschließen, fertig, ganz so einfach war es dann doch nicht.

fliegende Fahrzeuge vor blauem Hintergrund
Im Alltag

Jubiläum: Ein Jahr schwerelose Mobilität

Zwölf Monate lang habe ich Geschichten gesammelt und Fahrzeuge getestet, die für mich zu einer schwereloseren Mobilität beitragen. Heute wird Strohbonaut – Das Online-Magazin für schwerelose Mobilität ein Jahr alt. In zehn Schritten habe ich zusammengefasst, um was es in diesem Magazin geht.

Fahrradweg im Grünen Mitten in Berlin
Im Alltag

Grüne Wege – Auf dem Fahrrad durch Berlin

Fünf Spuren neben und sieben Spuren vor mir. Um mich herum lautes Motorendröhnen und stechende Abgase. Was viele ignorieren können, strengt mich an. Und ich frage mich: Warum bin ich nicht abgebogen und habe den kleinen Umweg durch die grünen, sauberen und ruhigen Straßen gemacht?