Kleines elektrisches Fahrzeug auf einer Küstenstraße
© Felix Strohbach

Fahrspaß mit 25 km/h

Hellblaues Wasser, frei laufende Zebras und schmale Straßen. Auf einer kleinen Insel vor der istrischen Küste Kroatiens fährt niemand schneller als 25 km/h und davon profitieren alle.

Eine Hand liegt locker auf dem Lenkrad, die andere baumelt im Fahrtwind. Im Seitenspiegel blendet die Sonne und vor mir schlängelt sich eine schmale Straße die Küste entlang. Seichte Wellen kräuseln sich auf der Oberfläche und zerstreuen das Sonnenlicht im Wasser der Bucht. Die Luft schmeckt salzig und wie in Zeitlupe zieht ein Farbverlauf aus Blautönen an mir vorbei.

Elektrisches Leichtfahrzeug fahrend von vorne.
25 km/h fühlen sich auf den schmalen Straßen schnell an. © Felix Strohbach
0 km/h

Auf den kroatischen Inseln des Brijuni Nationalparks werden Tourismus und Umweltschutz durch Elektromobilität in den Einklang gebracht. Die kleinen elektrischen Fahrzeuge haben weniger als 60 Kilometern Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Die Zahlen klingen langweilig, die Fahrt ist ein Vergnügen. 25 km/h reichen aus. Jeder weitere km/h würde die Fahrt verkürzen.

Kein dichtes Auffahren
oder riskantes Überholen

Die Reifen knistern auf dem staubigen Asphalt und das Elektromobil surrt vor sich hin. Im selben Tempo ist auch das Fahrzeug vor uns unterwegs und deshalb bleibt der Abstand gleich. Keiner bringt die anderen aus der Ruhe und erst recht nicht in Bedrängnis. Das gilt hier zwischen Mensch und Mensch genauso wie zwischen Mensch und Tier.

Blick über das Dach des Fahrzeugs in den Brijuni Nationalpark
Unter den Kunststoffdächern ist man vor Sonne und Regen geschützt. © Felix Strohbach

Vom Hasen bis zum Zebra

Während ich mit meiner Familie in einem Elektromobil über rissige Straßen durch den Wald hoppel, mümmeln im Schatten der Bäume die Hasen. Als die Bäume weniger werden und wir an einem offenen Feld vorbei kommen, sehen wir Rehe und Hirsche vorbei traben. Neben zahlreichen heimischen Wildtieren leben auf der Insel Veliki Brijun auch Sträuße, Lamas und Zebras. Sie waren ein Geschenk des ehemaligen guineischen Präsidenten Sékou Touré an den damaligen Diktator Jugoslawiens Josip Broz Tito, der von den Brijuni Inseln aus herrschte.

Ein Zebra im Brijuni Nationalpark
Zebras in Kroatien. Ein ungewöhnliches Bild. © Felix Strohbach

Auch viele der anderen Tiere waren politische Geschenke von Staatsoberhäuptern. Heute sind sie eine Attraktion für Touristen und damit eine Einnahmequelle für den Nationalpark. Dank der leisen Elektromobile grasen die Tiere ungestört weiter und lassen sich von den Parkbesuchern beobachten. Die Vorteile eines leisen Elektromotors nutzt auch Robert Kreipl. (Mehr dazu: Reisen mit dem Twike.)

Während der Fahrt ankommen

Wir sind im Urlaub und müssen heute keinen bestimmten Zielort erreichen. Unsere einzigen Ziele heißen Abwechslung und Entspannung. Beides erreichen wir während der Fahrt. Die Elektromobile sind bequem und trotz der Beschränkung auf 25 km/h macht es Spaß sie durch den Park zu manövrieren. Wir haben zu viert in dem Fahrzeug Platz und können uns im Schatten des Kunststoff-Dachs unterhalten.

Ins Meer springen, die Ruinen einer byzantinischen Festung erkunden und in die Fußstapfen von Sauriern treten. Während unserer Tour durch den Brijuni Nationalpark halten wir überall an, wo es uns gefällt. Nachdem wir die Insel mehrfach umrundet und durchquert haben, parken wir kurz vor Sonnenuntergang das Elektromobil an der Leihstation. Der Akku ist noch fast halb voll.

Zwei parkende elektrische Leichtfahrzeuge nebeneinander im Anschnitt.
Anfangs waren die Elektromobile den Golfspielern vorbehalten. © Felix Strohbach

Entschleunigen

Klar, im Urlaub habe ich keinen Stress. Da kann ich schon mal mit 25 km/h durch einen Nationalpark gurken. Das ich hinterher sogar von Fahrspaß spreche, hätte ich nicht gedacht. Nicht die tatsächliche Geschwindigkeit hat meine Endorphine wachgerüttelt, sondern eine Kombination aus dem lauwarmen Fahrtwind auf der Haut und der schmalen Straße vor mir.

Auf einer engen Straße mit einem Fahrzeug, das an fast allen Seiten offen ist, fühlen sich auch 25 km/h schnell an. Außerdem: Wenn niemand überholt, fühle ich mich auch nicht langsam. Mit meinem 50er Roller auf der deutschen Landstraße wurde ich permanent überholt und habe mich deshalb unwohl gefühlt. (Mehr dazu: Endlich unabhängig)

Die gedrosselte Geschwindigkeit wirkt entschleunigend auf alle Insel-Besucher. Weil es keine großen Geschwindigkeitsunterschiede gibt, kommt sich niemand in die Quere und das Risiko für Unfälle sinkt. Stress und Hektik vermisst hier niemand.

Ruinen am Meer
Die Reste einer byzantinischen Festung aus dem 5 Jhd, v. Chr. © Felix Strohbach

Die Brijuni Inseln als Vorbild

Der Urlaub und die Inseln bieten eine besondere Situation. Trotzdem könnte sich so manche europäische Stadt von dieser Verkehrsstrategie etwas abschauen. München war 2019 die verkehrsreichste Stadt Deutschlands. (Quelle: INRIX) Die durchschnittliche Geschwindigkeit der Autos lag bei unter 18 km/h, obwohl das Tempolimit auf dem Mittleren Ring streckenweise bei 60 km/h liegt.

Ein Tempolimit bei 25 km/h liegt sogar über dem Durchschnitt des Stadtverkehrs. Es gäbe weniger Unfälle, Fahrradfahren würde sicherer werden und in der Luft wären weniger Abgase. Auch auf der deutschen Autobahn würde ein flächendeckendes Tempolimit für mehr Sicherheit und bessere Luft sorgen, das beweisen nahezu alle europäischen Nachbarländer seit Jahrzehnten.

Wie wäre wohl ein Deutschland mit weniger Hektik, weniger Verkehrstoten und weniger Lärm? Vermutlich lebenswerter.

So könnt Ihr aktiv werden:
Langsamer fahren und die Online-Petition der Deutschen Umwelthilfe unterzeichnen: Tempolimit jetzt!

Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on telegram
Share on whatsapp
Schwarzer Tesla auf einer Bergstraße aus fahrendem Auto fotografiert.
Im Urlaub

Leise durch die Dolomiten

Auf kurvigen Straßen in den Dolomiten beginnt für viele Deutsche und Österreicher der Sommerurlaub. Über 33 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Südtirol, viele davon mit dem Auto. Sie bringen nicht nur Geld, sondern auch Lärm und Abgase in die Region. Die Initiatoren der ECOdolomites wollen mit Hilfe der Elektromobilität zeigen, dass es auch anders geht.

Fahrradweg im Grünen Mitten in Berlin
Im Alltag

Grüne Wege – Auf dem Fahrrad durch Berlin

Fünf Spuren neben und sieben Spuren vor mir. Um mich herum lautes Motorendröhnen und stechende Abgase. Was viele ignorieren können, strengt mich an. Und ich frage mich: Warum bin ich nicht abgebogen und habe den kleinen Umweg durch die grünen, sauberen und ruhigen Straßen gemacht?

Elektrisches Motorrad vor Berglandschaft
Am Wochenende

Ein Recht auf Lärm?

Vorbeirauschende LKW oder der Rasenmäher im Nachbargarten sind laut. Motorräder sind häufig noch deutlich lauter und der Bundesrat möchte das ändern. In mehreren deutschen Städten demonstrieren deshalb Tausende MotorradfahrerInnen für ein lautes Hobby, das auch leise sein könnte.

Bepflanzte Oldtimer in Innsbruck
Im Alltag

Die Welt nach den Autos

Kraftstoff, Reparaturen und Versicherungen hatten ihren Preis. Nach über einem Jahrhundert wollte das kein Mensch mehr für ein Auto bezahlen, stattdessen genießen heute alle mehr Freizeit und bessere Luft.

Eine Straße voller Schnee
Im Alltag

Die Stadt im Schnee

Er lässt Parkplätze verschwinden, er drosselt die Geschwindigkeit und dämpft den Lärm. Aus Blechlawinen und Asphaltwüsten werden weiße Kissen. Der Schnee macht die menschenfeindliche Stadtplanung einmal mehr deutlich und zeigt gleichzeitig neue Wege auf.