Ein Microlino ist an einen IONIQ 5 angeschlossen
© Felix Strohbach

Bidirektionales Laden: Das funktioniert heute schon

Bidirektionales Laden ist das Thema der Zukunft. Elektroautos sollen nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch wieder abgeben und als mobile Energiespeicher andere E-Fahrzeuge oder ganze Häuser mit Energie versorgen. Manche können das heute schon.

Bei den Modellen von Kia, Genesis und Hyundai ist bidirektionales Laden bereits zu einem gewissen Grad möglich. Über einen Adapter kann man zum Beispiel ein E-Bike oder ein elektrisches Leichtfahrzeug wie den Microlino an den Ladeanschluss eines Hyundai IONIQ 5 hängen und schon beginnt der Energietransfer. Auf dem Touchscreen wird die aktuelle Ladeleistung angezeigt und man kann einstellen, wie viel Restenergie im Akku bleiben soll. Beim ersten Versuch habe ich vorsichtshalber mindestens 40 Prozent eingestellt. Später habe ich gemerkt: Es wäre absolut nicht nötig gewesen.

Anzeige zum Energietransfer im IONIQ 5
Hier kann man einstellen, wie viel Energie der IONIQ 5 abgeben soll. © Felix Strohbach

Bidirektionales Laden: Energietransfer vom IONIQ 5 zum Microlino

Während der Microlino nach etwa zwei Stunden von etwa 50 bis 100 Prozent geladen hat, fehlen dem IONIQ 5 gerade Mal fünf Prozent. Hier wird einmal mehr klar, wie groß die Dimensionsunterschiede zwischen einem modernen Elektroauto und einem elektrischen Leichtfahrzeug sind. Die Pioneer Series des Microlino kommt mit einem Akku aus, der 10,5 Kilowattstunden speichert. Der große Akku des IONIQ 5 speichert über 77 Kilowattstunden. Der Akku ist damit über sieben Mal größer und ermöglicht je nach Antriebsvariante bis zu 507 Kilometer im WLTP-Zyklus. Die 800-Volt-Technologie ermöglicht seit dem letzten Update dank Akkuheizung auch im Winter Ladepausen von unter 20 Minuten, um auf 80 Prozent zu laden. Damit ist der IONIQ 5 ein absolutes Langstreckenfahrzeug. (Auch interessant: Urlaub mit Elektroauto – Im Tesla Model 3 zum Gardasee)

Auch auf dem digitalen Tacho sieht man, wie viel Energie übertragen wird: 1,7 Kilowatt. © Felix Strohbach

Der Microlino kommt mit dem 10,5-kWh-Akku bis zur 177 Kilometer weit, er schafft also immerhin mehr als ein Drittel des IONIQ 5. Mit dem größten 14-kWh-Akku sollen sogar bis zu 230 Kilometer möglich sein. Das ist für den Alltag mehr als ausreichend. Für Strecken von über 300 Kilometern eignet er sich schon allein wegen seiner drei bis vierstündigen Ladezeit nicht. Für alltägliche Langstreckenfahrer:innen ist er deshalb höchstens ein Zweitwagen, aber die perfekte Ergänzung zu einem Elektroauto mit bidirektionaler Lademöglichkeit. Denn sollte es mit der Reichweite des Zweitwagens doch Mal knapp werden, kann man sich einfach etwas Energie vom Erstwagen ziehen.

Ein Microlino ist an einen IONIQ 5 angeschlossen
Eine volle Akkuladung für den Microlino kostet den IONIQ 5 nur etwa zehn Prozent. © Felix Strohbach

Fazit: Bidirektionales Laden

In Zukunft sollen Elektroautos ganze Häuser mit Strom versorgen können. Im besten Fall wird dann der Akku des Autos Übertrags mit Solarstrom vom Hausdach vollgeladen und nachts als Energiequelle genutzt. Bis unsere Häuser und Fahrzeuge flächendeckend mit dieser Technik ausgestattet sind und alles reibungslos funktioniert wird es noch etwas dauern. Umso spannender ist es, dass wir mit Fahrzeugen wie dem Hyundai IONIQ 5 heute schon die ersten Vorteile dieser Technologie unkompliziert nutzen können. Neben anderen E-Fahrzeugen kann man so auch Elektro-Grills, Kaffeemaschinen, Motorsägen oder Außenpools betreiben. Mit dem bidirektionalen Laden eröffnet die Elektromobilität einmal mehr ein neues Feld der Chancen und Möglichkeiten. (Mehr dazu: Fließender Ökostrom und Chancen der Elektromobilität)

Die Lichtsignaturen des Microlino und des IONIQ 5 nebeneinander
Dream-Team: Beide E-Fahrzeuge haben eine matte silberne Außenfarbe und ein durchgängiges Leuchtband an der Front. Manchmal teilen sie sich sogar den Strom. © Felix Strohbach

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