Kabinenroller Carver an einer Blumenwiese mit roten Tulpen
© Felix Strohbach

Twizy Alternative: Elektrischer Kabinenroller Carver im Test

Ohne Helm in die Kurve legen wie bei einem 50er Roller. Vor Regen geschützt und bei Sonne mit offenem Dach fahren. Der Carver electric bietet Platz für zwei Personen und zieht interessierte Blicke auf sich, egal wohin man fährt. Dieser dreirädrige Kabinenroller könnte eine Twizy Alternative sein.

Rot blühen die Tulpen auf den Feldern und rot sind die Gurte im Innenraum des Carver. Im nordrhein-westfälischen Ort Tüddern direkt an der Grenze zu den Niederlanden ist der einzige Händler, der den elektrischen Kabinenroller auf dem Hof stehen hat. Nachdem mir Inhaber Alexander von der Forst die vielen Knöpfe und Kniffe des Fahrzeugs erklärt hat, rolle ich los.

Kabinenroller Carver an einer Blumenwiese mit roten Tulpen von der Seite fotografiert
Der elektrische Kabinenroller zwischen roten Tulpen an der Grenze zu den Niederlanden. © Felix Strohbach

Bitte nicht umkippen

Beide Hände am Sportlenkrad biege ich auf die Hauptstraße und beschleunige. Als der Tacho 48 km/h zeigt, muss ich auf die Bremse steigen. Die Straße vor mir mündet in einen Kreisverkehr und die Rekuperation ist viel zu schwach, um mich auszubremsen. Mit ordentlich Restgeschwindigkeit fahre ich in den Kreisverkehr ein. Ich spüre ein Kribbeln im Bauch und meine Hände werden schwitzig, denn der Carver neigt sich heftig in die Kurve. Es fühlt sich falsch an. Sofort verlasse ich den Kreisverkehr und ziehe das Lenkrad wieder gerade. Wirklich wohl habe ich mich in der Schräglage nicht gefühlt, wahrscheinlich eine Frage der Routine.

Lenkrad und Tacho im Carver Kabinenroller
Im Cockpit des Carver sind viele Knöpfe und Staufächer. © Felix Strohbach

Um mich daran zu gewöhnen, fahre ich direkt in den nächsten Kreisverkehr und lege mich noch stärker in die Kurve. Plötzlich spüre ich einen Schlag an der linken Seite. Der Carver hat aufgesetzt. Bei der nächsten Möglichkeit fahre ich rechts ran. An beiden Seiten des Kabinenrollers sind direkt vor den Hinterrädern Stangen montiert, die aussehen wie Griffe. Sie begrenzen den Gard der Neigung, indem sie ab einem gewissen Winkel seitlich auf den Boden aufsetzen. Das ist im ersten Moment beunruhigend, denn dieser Punkt wird schnell erreicht und sorgt für einen kurzen Schock. Beim Renault Twizy neigt sich die Fahrzeugkabine nicht. (Mehr dazu: Think smaller: 7 Jahre mit dem Twizy)

Neigetechnik des Carver von hinten fotografiert
In Kurven neigt sich die gesamte Fahrzeugkabine des Carver electric. © Felix Strohbach

Ist der Carver eine Twizy Alternative?

Nicht nur durch die gewöhnungsbedürftige Neigetechnik DVC™ (Dynamic Vehicle Control) wirkt der Carver wackeliger als der Twizy. Auch das fehlende vierte Rad und das mit Knöpfen, Anzeigen und Staufächern vollgestopfte Cockpit lassen den elektrischen Kabinenroller weniger hochwertig wirken. Außerdem ist die Zulassung als 50er-Roller beschränkend. Mehr Leistung und eine höhere Geschwindigkeit wie bei der 80 km/h-Variante des Twizy, würden auch dem niederländischen Zweisitzer gut stehen.

Portrait des Autors Felix Strohbach im Innenraum des Carver
Für das Magazin Elektroautomobil habe ich den elektrischen Kabinenroller ausführlich getestet. EIn Highlight waren die roten Gurte. © Felix Strohbach

Die Vorteile des Carver sind der niedrigere Einstiegspreis und der größere Stauraum. Auch das einrollbare Stoffdach und die abnehmbaren Fensterscheiben sind sinnvolle Merkmale, die der Twizy nicht hat. Beide Leichtahrzeuge eigenen sich als Aufmerksamkeitsmagneten und stellen sich dem Trend der immer größer und schwerer werdenden Autos entgegen. Es gibt nicht viele Twizy Alternativen, deshalb ist jedes dieser effizienten, leichten, ressourcen- und platzsparenden Fahrzeuge ein Zugewinn für uns alle. Eine weitere Twizy Alternative ist das Weezl. (Mehr dazu: Mit dem Weezl trocken durch die Stadt) Mit dem Carver bekommt man ein wetterfestes Elektrofahrzeug für die Stadt und das Umland. Der Kabinenroller macht Spaß, ist alltagstauglich und eignet sich für alle, die gerne auffallen.

Ihr wollt mehr zum Carver lesen? Den gesamten Testbericht gibt es in der aktuellen Ausgabe von Elektroautomobil. Hier könnt ihr das Magazin kaufen oder abbonieren. (Rabattcode für strohbonautInnen: strohbonaut10)

Werbung für das Magazin Elektroautomobil

Disclaimer: Der Carver electric wurde mir vom Automobilhandel von der Forst für eine Probefahrt zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf diesen Beitrag. Alle Fotos sind selbstgemacht.

Share on facebook
Share on twitter
Share on email
Share on telegram
Share on whatsapp
Gleitender Vogel in schwarzweiß
Im Alltag
Felix J. Strohbach

Schwerelose Mobilität 5/10: Leiser unterwegs sein

Verkehr belastet unser Klima durch den Ausstoß von CO². Die Folgen sind für uns nicht immer direkt spürbar, viel akuter fühlt sich die Lärmbelastung an. Wer sich und das direkte Umfeld entlasten möchte, sollte deshalb leiser unterwegs sein.

Das Solarauto Sion in der Seitenansicht im Studio
Am Wochenende
Felix J. Strohbach

Sono Motors: Solarauto zum Teilen

Er hat keinen glänzenden Lack und auch keine schnittige Karosserie. Die Qualitäten des Solarautos Sion schimmern dunkelblau und liegen unter einer matten Kunststoffschicht. Außerdem lässt er sich via App mit anderen Menschen teilen oder dient als mobile Stromquelle.

Der elektrische Mini Cooper SE von vorne spiegelt sich in einer Pfütze
Am Wochenende
Felix J. Strohbach

Mini Cooper SE: Kein Auto für die Stadt

Kleine Elektroautos wie der Mini Cooper SE werden oft als Stadtautos abgetan. Diese Testfahrt zeigt, dass 200 Kilometer Reichweite und eine Schnellladefunktion sich vor allem für längere Strecken auf dem Land eignen.

Palmen und ein mint-grüner Elektroroller in Barcelona
Im Urlaub
Felix J. Strohbach

Schwerelos durch Barcelona

Leise durch die Hauptstadt Kataloniens mit einem Roller, der mir nicht gehört. Ein legales Vergnügen ohne lokalen CO²-Ausstoß.

Schwarzer Tesla auf einer Bergstraße aus fahrendem Auto fotografiert.
Im Urlaub
Felix J. Strohbach

Leise durch die Dolomiten

Auf kurvigen Straßen in den Dolomiten beginnt für viele Deutsche und Österreicher der Sommerurlaub. Über 33 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Südtirol, viele davon mit dem Auto. Sie bringen nicht nur Geld, sondern auch Lärm und Abgase in die Region. Die Initiatoren der ECOdolomites wollen mit Hilfe der Elektromobilität zeigen, dass es auch anders geht.

Blaues Klapprad zwischen parkenden Autos
Im Alltag
Felix J. Strohbach

Plötzliche Verkehrswende

Berlin, Brüssel und Bogota haben in Zeiten von Corona etwas gemeinsam: In allen drei Städten haben FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen plötzlich mehr Platz bekommen. In den Städten hat eine globale Verkehrswende begonnen.