Blick aus dem offenen Autofenster bei Sonnenuntergang
© Felix Strohbach

Fünf Gründe gegen ein eigenes Auto

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung waren für mich schon immer wichtig. Mit 16 Jahren kaufte ich mir einen Roller, um von meinen Eltern und dem Zugfahrplan unabhängig zu sein. Mit 18 habe ich mir ein Auto gekauft, weil mir der Roller zu langsam war. Seit ein paar Jahren besitze ich nur noch ein Fahrrad, und das ist meine erste echte Unabhängigkeitserklärung. Hier sind fünf Gründe gegen ein eigenes Auto.

Autor Felix Strohbach mit dem "Zu Verkaufen"-Schild vor seinem ersten eigenen Auto
Stolzer Autobesitzer: 1.800 Euro waren mit 18 viel Geld, aber für ein Auto fand ich es ziemlich günstig. © Felix Strohbach

1. Es ist teuer

Nach 600 Kilometern musste ich in mein Auto 40 Liter Benzin und einen halben Liter Motoröl nachtanken. Nach neun Monaten waren alle Bremsen abgenutzt, nach einem Jahr die Radlager ausgeleiert und nach 18 Monaten war der Auspuff durchgerostet. Während mein 450-Euro-Job geradeso die Kosten für Sprit und Reparaturen deckte, fraßen Versicherung und Kfz-Steuer meine Ersparnisse. Dabei wirkte der Kaufpreis von 1.800 Euro wie ein Schnäppchen. Bei neueren Autos sind die versteckten Kosten noch deutlich höher.

Zu den monatlichen Kosten für Versicherung, Steuer und Reparaturen kommt beim eigenen Fahrzeug der Wertverlust. Ein Neuwagen kann bis zu 25 Prozent im ersten Jahr verlieren und ist nach drei Jahren nur noch die Hälfte wert. (Quelle: Allianz.de) Wie viel Stunden wir wohl nur für unsere Autos arbeiten? Zusätzlich verschwenden wir immer mehr Zeit beim Parken und in Staus.

2. Parkplatzsuche kostet Lebenszeit

AutofahrerInnen in Deutschland verbringen durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr mit der Parkplatzsuche. In Frankfurt am Main sind es im Durchschnitt sogar 65 Stunden pro Jahr. Das zusätzliche Herumfahren kostet Treibstoff. Über 1.400 Euro geben die Menschen dadurch pro Jahr mehr aus (Quelle: Statista). Entscheidender ist aber die Zeit, die wir bei der Parkplatzsuche verschwenden. Diese Lebenszeit kann man mit keinem Geld der Welt zurückkaufen.

3. Besitz belastet

Wir tragen die Verantwortung für die Verkehrstauglichkeit des Fahrzeugs. Wir müssen den Reifendruck und die Scheinwerfer überprüfen, das Scheibenwischwasser nachfüllen und es regelmäßig zur Inspektion bringen. Häufig besitzen nicht wir das Auto, sondern das Auto besitzt uns. Bei einem Fahrrad machen wir uns weniger Sorgen und im Zug geben wir die Verantwortung an das Bahnunternehmen ab. Auch das kann ein sehr befreiendes Gefühl sein. Im Zug können wir sogar während der Fahrt aufstehen und uns die Beine vertreten.

Trotzdem verbinden viele mit dem Auto ausschließlich Freiheit und Unabhängigkeit. Das kommt nicht von ungefähr, denn für dieses Image zahlt die Autoindustrie sehr viel Geld. 2020 haben Automobilhersteller in Deutschland über zwei Milliarden Euro für Werbung ausgegeben (Quelle: Statista). Dazu gehören nicht nur Werbeplakate und TV-Spots, sondern auch Produktplatzierungen in Kinofilmen, Büchern und Netflixserien. Gründe gegen ein eigenes Auto werden hier kaum thematisiert. (Mehr zu meiner Entscheidung, mein eigenes Auto aufzugeben: Endlich unabhängig)

Roter Mazda auf der Hebebühne in der Werkstatt
Mein erstes Auto: Mal wieder bei der Inspektion. © Felix Strohbach

4. Es ist schlecht für unsere Gesundheit

Wir wachen auf und setzen uns an den Frühstückstisch. Danach setzen wir uns ins Auto und fahren zur Arbeit. Dort setzen wir uns vor den Computer und freuen uns auf den Feierabend, wo wir uns entspannt auf die Couch setzen können. Wir sitzen viel zu viel. Im Sitzen sind unser Stoffwechsel und Herz-Kreislaufsystem unterfordert. Dadurch erhöht sich das Risiko für Herz- und Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes (Quelle: geo.de).

Nicht nur das Sitzen, sondern auch die schlechte Luft und der Stress im Berufsverkehr setzen unserer Gesundheit zu. Wenn wir uns wenigstens auf dem Weg zur Arbeit bewegen, entlasten wir unseren Körper, auch wenn sich das vielleicht im ersten Moment nicht so anfühlt. #muskelkater

Fahrrad-Symbol auf der Straße
In der Stadt ist das Fahrrad das schnellste und flexibelste Fortbewegungsmittel © Felix Strohbach

5. Es gibt gute Alternativen

In der Stadt ist das Fahrrad das günstigste und flexibelste Fahrzeug. Wem das zu anstrengend ist, kann auf einen E-Scooter ausweichen. Oft ist es aber unkomplizierter, zu Fuß zu gehen. Falls man dann doch mal etwas transportieren muss, gibt es vielerorts Lastenfahrräder zum Ausleihen. Auch die Fahrzeugklasse der elektrischen Leichtfahrzeuge kann ein sinnvoller Kompromiss sein. Denn auch der Twizy oder das Weezl können uns trocken durch den Regen bringen.

Wenn kein Weg mehr am Auto vorbeiführt, dann gibt es noch den Mietwagen oder Carsharing. (Mehr dazu: Mieten statt kaufen) Mit dem monatlich gesparten Geld für die Versicherung, den Kaufpreis oder die Leasingrate können wir uns für jeden Anlass das passende E-Auto nehmen. Bei Sonnenschein ein Cabrio und für den Skiurlaub ein Kombi mit Allradantrieb. (Beispiele: Mit dem Elektroauto ins Skigebiet oder Elektrische Cabrios fürs Wochenende) Alles was wir dafür brauchen sind ein gültiger Führerschein und ein Smartphone.

Autor Felix Strohbach im elektrischen Cabrio Smart
Offenes Dach und kein Motorlärm: Mit dem elektrischen Cabrio Smart bekommt man viel von der Umgebung mit. © Ruth de Carné

Fazit: Gründe gegen ein eigenes Auto

Unsere Bedürfnisse sind sehr individuell und hängen stark von unserem Wohnort ab. In der Stadt fällt das Leben leichter ohne Auto, auf dem Land scheint es dagegen häufig unverzichtbar. Wer das Auto nicht täglich braucht, sondern vor allem am Wochenende oder im Urlaub damit fährt, kann mit einem gemieteten Fahrzeug Nerven schonen und Geld sparen. Keine Parkplatzsuche, weniger Kosten und keine Angst vor Hagel- oder Marderschäden. Es gibt viele Gründe gegen ein eigenes Auto, nur werden sie in unserer von Werbung durchsetzen Öffentlichkeit selten thematisiert.

Mehr zu einer leichteren und unabhängigeren Mobilität steht hier: In zehn Schritten Richtung schwerelose Mobilität

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